1. Spezialpodium Oralchirurgie

1. Spezialpodium Oralchirurgie

Freitag, 28. April 2017

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach den sehr guten Erfahrungen, welche wir vergangenes Jahr mit der Einführung des Podiums Kieferorthopädie sammeln durften, war es ein logischer Schritt nun auch für die zweite große Fachzahnarztgruppe ein eigenes Podium im Rahmen unserer Fortbildungsveranstaltung in Rust anzubieten. Dass aus dem Stand weit über 100 Kieferorthopädinnen und Kieferorthopäden vergangenes Jahr den Weg nach Rust fanden hat uns sehr angenehm überrascht, positive Schätzungen waren von etwa 50 Teilnehmern dieses neuen Formats ausgegangen. Und so hoffen wir nun, dass auch unser zweites „neues Kind“ einen ähnlich guten Zuspruch erfahren wird. Damit dies auch so werden möge, ist es uns gelungen namhafte Referenten zu gewinnen, die Beiträge zu bedeutenden und praxisrelevanten Themen zum wissenschaftlichen Programm beisteuern werden.

Wir möchten mit diesem attraktiven Programm nicht alleine oral- und kieferchirurgische Fachkolleginnen und Fachkollegen ansprechen, nein dieses Angebot richtet sich auch an alle oralchirurgisch interessierten Kolleginnen und Kollegen.

Und in der Tat: Die Oralchirurgie hätte eine wesentlich höhere Aufmerksamkeit verdient, als ihr in den vergangenen Jahren zuteil wurde. Die Basis der kompletten Zahnheilkunde wurde in der öffentlichen zahnärztlichen Aufmerksamkeit durch die faszinierenden, in der Regel jedoch auch sehr aufwändig technikaffinen Möglichkeiten der heutigen prothetischen-rekonstruktiven Zahnheilkunde ein wenig in den Hintergrund gedrängt.

Zwar nimmt die Zahl der Oralchirurginnen und Oralchirurgen in Deutschland und übrigens auch in unserem Bundesland (noch) zu, gleichzeitig ist jedoch auch eine signifikante Abnahme der oralchirurgischen Lehrstühle zu beklagen. Vor diesem Hintergrund freue ich mich besonders auf die Podiumsdiskussion zur Zukunft unserer Oralchirurgie.

Ich freue mich sehr auf das erste Podium Oralchirurgie im Rahmen unserer Fortbildungsveranstaltung in Rust und ganz besonders auf Ihre Teilnahme!

Mit herzlichen und kollegialen Grüßen!

Dr. Georg Bach
Mitglied des Vorstandes

Programm

1. Spezialpodium Oralchirurgie

Wissenschaftliche Vorträge

Freitag, 28. April 2017

09:00 Uhr

bis 09:15 Uhr

Dr. Georg Bach / Dr. Friedleif Bachner Eröffnung der Fortbildungsveranstaltung

Dr. Georg Bach / Dr. Friedleif Bachner
Curriculum Vitae

09:15 Uhr

bis 09:45 Uhr

Prof. Dr. Gerhard Wahl, Bonn Lachgas/Blutverdünner und & Co – neue Trends und Entwicklungen in der Oralchirurgie anschließend Diskussion

Prof. Dr. Gerhard Wahl
Prof. Dr. Gerhard Wahl Bonn
Curriculum Vitae

Der neue Trend des Einsatzes von Lachgas zur Sedierung bei zahnärztlichen und zahnärztlich-chirurgischen Eingriffen ist eigentlich ein Trend, der vor 60 Jahren bereits schon einmal Einzug in die zahnärztliche Praxis gehalten hatte, danach aber aus verschiedenen Gründen verlassen wurde und mittlerweile seit langem schon wieder in die zahnärztlichen Praxen der angloamerikanischen und skandinavischen Länder sowie auch der Schweiz Einzug gefunden hat. In Deutschland hat die gemeinsame Stellungnahme des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Kinderanästhesie der DGAI (Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin) und des Interdisziplinären Arbeitskreises Zahnärztliche Anästhesie der DGZMK zumindest für die minimale Sedierung von Kindern in der Zahnheilkunde den möglichen und sinnvollen Einsatz von Lachgas beschrieben. Etwas umfassender hat das Council of European Dentists (CED) im Mai 2012 eine Entschließung publiziert zur „Anwendung der inhalativen Lachgassedierung in der Zahnmedizin“ und schon lange haben die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) die Rahmenbedingungen für die Lachgasanwendung in der zahnärztlichen Praxis beschrieben. Nicht vergessen werden sollte, dass Lachgas als apothekenpflichtiges Arzneimittel dem § 47 des Arzneimittelgesetzes unterliegt.

Während das Lachgas zur Stressvermeidung für Patient und Behandler beitragen kann, ist auch bei der Thematik „Blutverdünner“ Stress nur vorprogrammiert, wenn die Gefahr der starken intraoperativen Blutung und insbesondere auch der Nachblutungskomplikationen nicht deutlich reduziert wird, indem entsprechende Vorbereitungen getroffen werden. Hierzu gehören ganz zuerst die interdisziplinäre Absprache mit den behandelnden Hausärzten, Internisten, Kardiologen zur medikamentösen Anpassung der Dosierung, der Umstellung oder – je nach Präparat – auch einer kurzfristigen Unterbrechung ebenso wie die wichtige Information zur grundsätzlichen Belastbarkeit dieser Patienten aufgrund ihrer Erkrankung, die den Einsatz von Antithrombotika erforderlich macht. Während sich bei dem Einsatz der Vitamin-K-Antagonisten, der Kumarine, nach über 60-jähriger Anwendung zumindestens weitgehend eine Systematik eingespielt haben sollte, stehen die neuen oralen Antikoagulantien noch auf dem Prüfstand der korrekten Adjustierung für die zahnärztlich-chirurgischen Belange und auch die Thrombozytenaggregationshemmer sollten in ihrer Bedeutung nicht in Vergessenheit geraten.

Letztlich soll auch noch eine andere Form möglicher Stressvermeidung angesprochen werden bzgl. der lang anhaltenden Wirkung des Taubheitsgefühles nach Lokalanästhesie, das von einigen Patienten als unangenehm oder auch in der beruflichen Umgebung als hinderlich angesehen wird. Phentolamin-Mesylat bietet als nachgeführte Injektion gegen Ende der Behandlung die Möglichkeit der Aufhebung, bzw. Verkürzung der lokalanästhetischen Wirkung und reduziert das Taubheitsgefühl etwa um die Hälfte der sonstigen Zeitdauer. Da durch die 2. notwendige Injektion insbesondere bei der Leitungsanästhesie ein erhöhtes Risiko für eine Nervschädigung besteht, ist über die 2. Injektion gesondert aufzuklären, und neben dem Wunsch des Patienten nach dieser Maßnahme sollte auch diskutiert werden, wann diese Maßnahme nicht durchgeführt werden sollte und umgekehrt, wo es auch einen sinnvollen medizinisch begründeten Einsatz geben könnte.

10:00 Uhr

bis 10:45 Uhr

Prof. Dr. Dr. Karl Andreas Schlegel, München Update Augmentation – wird der autologe Knochen entbehrlich? anschließend Diskussion

Prof. Dr. Dr. Karl Andreas Schlegel
Prof. Dr. Dr. Karl Andreas Schlegel München
Curriculum Vitae

Gerade in der heutigen Zeit in der die Zahl der implantologisch tätigen Kollegen exponentiell zugenommen hat ist es wichtig auch beim Patienten mit eingeschränktem Knochenangebot Lösungsansätze mit vorhersehbaren Ergebnissen zu haben. Hierzu soll im Rahmen des Vortrages die Beherrschung einer präoperativen Risikoanalyse ebenso mit den Zuhörern geübt werden, wie die möglichen Therapieformen der Hart- und Weichgewebsaugmentationen. Angefangen von der Socket Preservation über die Sinusaugmenation, das Bone Spreading  und laterale Anlagerungosteoplastik bis hin zur ausgedehnten vertikalen und horizontalen Augmentation zur Wiederherstellung der Alveolarfortsätze.

10:45 Uhr

bis 11:30 Uhr

Pause / Besuch der Dentalausstellung

11:30 Uhr

bis 12:30 Uhr

Festvortrag
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Freiburg Zur Nachhaltigkeit der Gesundheitsversorgung

Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen
Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen Freiburg
Curriculum Vitae
Dome

Im Vortrag werden die Konsequenzen des demographischen Wandels für die Nachhaltigkeit der Gesundheitsversorgung in Deutschland aufgezeigt. Im ersten Teil wird dabei der doppelte Alterungsprozess beschrieben – im Resultat müssen immer mehr Menschen von immer weníger Beitrags- und Steuerzahlern immer länger versorgt werden. Für die Nachhaltigkeit der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung ist die Botschaft dabei eindeutig: Wenn nichts unternommen wird um die Hypotheken zu Lasten zukünftiger Generationen abzubauen, dann würde die Sozialabgabenquote allein für die Gesundheitsausgaben von heute gut 17 auf über 30 Prozent steigen – ein Ausmaß, das zwangsläufig ein Akzeptanzproblem der jungen Generation aufwirft. Würde der Staat nämlich wie ein ehrbarer Kaufmann die Gesundheitsversorgung bilanzieren, so würde er zukünftigen Generationen eine negative Erbschaft – das sind unsichtbare Schulden – in Höhe von mehr als einem Inlandsprodukt ausweisen. Merke: Die Schulden die wir sehen sind zwar hoch, aber viel höher sind die Schulden, die man nicht sieht!

12:30 Uhr

bis 14:00 Uhr

Mittagspause / Besuch der Dentalaustellung

13:30 Uhr

bis 14:45 Uhr

Univ.-Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz, Münster Weichgewebe – die gehasste Geliebte! anschließend Diskussion

Univ.-Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz
Univ.-Prof. Dr. Dr. Johannes Kleinheinz Münster
Curriculum Vitae

Das Verhältnis zwischen Behandler und Weichgewebe erscheint zuzeiten ambivalent und weist die klassischen Symptome einer Hassliebe auf. Auf der einen Seite kann das Weichgewebe den Erfolg einer Behandlung durch Darstellung der Gesamtästhetik (Form, Farbe, Textur, Volumen) adeln und dabei auch die darunterliegenden Fehler überdecken. Damit sichert es sich die Zuneigung des Behandlers. Zum anderen kann eine vernarbte, zurückgezogene peri-implantäre Mukosa alle noch so guten knöchernen und implantologischen Arbeiten zunichtemachen und damit den Behandler in eine Beziehungskrise stürzen. Die Betrachtung muss auf folgende Schlüsselfragen fokussieren: 
Haben wir das Wesen „Weichgewebe“ überhaupt verstanden und was wissen wir über Vaskularisation, Wundheilung und Narbenbildung? Behandeln wir das Weichgewebe adäquat hinsichtlich Schnittführung, Lappenbildung und Wundverschluss? Können wir das Weichgewebe gezielt manipulieren durch Histiogenese, Transplantation und Ausformung? Und schließlich die Gretchenfrage in der Beziehung: könnten wir das Weichgewebe durch Kollagen, dermale Matrix, oder Perikard ersetzen? Der Vortrag wird die Beziehung schonungslos analysieren, die Konfliktfelder aufdecken und Lösungsvorschläge vorstellen, die zu einem stabilen, verständnisvollen und damit zielorientierten Umgang miteinander führen sollen. 

14:45 Uhr

bis 15:30 Uhr

Dr. Michael Gahlert, München Update Keramikimplantate- neueste Erkenntnisse und Trends anschließend Diskussion

Dr. Michael Gahlert
Dr. Michael Gahlert München
Curriculum Vitae

Konkrete Grundlagenforschung, deutlich verbesserte industrielle Herstellungsprozesse sowie ein besseres Verständnis für Hochleistungsmaterialen aus Keramik haben dazu beigetragen, dass Zahnmediziner heute mehr und mehr „keramisch“ denken. Das gilt nicht nur für den Bereich der Prothetik und der konservierenden Zahnheilkunde im allgemeinen, sondern auch für die dentale Implantologie. Das ist das letzte Glied der Kette gewesen, nachdem der Einsatz von Vollkeramik im zahntechnischen Bereich in den letzten Jahren stetig zugenommen hat. Es gilt ab jetzt, ambitionierten implantologisch tätigen Kollegen und Kolleginnen Berührungsängste vor vollkeramischen Implantaten zu nehmen und Kommunikationsdefizite abzubauen. Was für Gewebeanlagerungseffekte sind zu erwarten? Gibt es Periimplantitis bei Keramikimplantaten? Wie sehen die Auswertungen von Langzeitdaten aus? Was sollte bei der Auswahl von keramischen Implantatsystemen beachtet werden? Wie ist die Bruchfestigkeit? Auf alle diese Fragen werden Antworten unter dem Vorbehalt der gegenwärtigen klinischen Erfahrungen gegeben und darüber hinaus eine große Anzahl klinischer Beispiele gezeigt. Für den Zuhörer könnte es für zukünftige Aufklärungsgespräche von Patienten wichtig werden, bei diesem Thema mitreden zu können, denn die Anzahl auf Metalle sensibilisierter Patienten nimmt laut neuester Statistiken zu. Vollkeramische Implantate als Alternative zu Titanimplantaten sind daher gegenwärtig zu einer ernst zu nehmenden Zukunftstechnologie geworden.     

15:30 Uhr

bis 16:00 Uhr

Podiumsdiskussion
Zukunft der Oralchirurgie in Deutschland - gibt es die überhaupt?

16:00 Uhr

bis 17:15 Uhr

Mitgliederversammlung des Landesverbandes Baden-Württemberg des Berufsverbandes Deutscher Oralchirurgen mit Neuwahlen

Tagungsbroschüre

1. Spezialpodium Oralchirurgie